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title: "Achtsamer Sex: Wie ihr in der Intimität präsent seid" description: "Achtsamer Sex und wie ihr in der Intimität präsent bleibt — warum die Gedanken im Bett abschweifen, die Wissenschaft des „Zuschauens" und praktische Wege, präsent zu bleiben." slug: being-present-during-intimacy category: insights author: dr-sarah-mitchell publishedAt: "2026-07-13T10:00:00" updatedAt: "2026-07-13T10:00:00" image: /blog/being-present-during-intimacy/header.svg imageAlt: Abstrakte Illustration eines Paares, verbunden in einem ruhigen gegenwärtigen Moment, als Sinnbild für achtsamen Sex und Präsenz in der Intimität readingTime: 15

Wohin wandern eure Gedanken beim Sex?

Lasst mich euch etwas Unbequemes fragen: Als ihr das letzte Mal mit eurem Gegenüber intim wart — wo waren eure Gedanken? Wenn ihr ehrlich seid, stehen die Chancen gut, dass ein Teil davon ganz woanders war — beim Durchgehen der morgigen To-do-Liste, bei der Frage, wie euer Körper aussah, beim Nachspielen eines Streits oder beim stillen Überwachen der eigenen Performance wie ein Kritiker in der letzten Reihe. Ihr wart im Raum, aber ihr wart nicht ganz da.

Das ist eines der häufigsten und am wenigsten besprochenen Hindernisse für ein erfülltes Sexleben: die Abwesenheit von Präsenz. Nicht geringes Verlangen, nicht ungleiche Libidos, nicht Technik — nur das einfache, allgegenwärtige Problem, nicht ganz im eigenen Körper zu sein, während es geschieht. Und hier ist der Kern: Präsenz ist keine Stimmung, die man hat oder nicht. Sie ist eine Fertigkeit. Achtsamer Sex — die Praxis, der Intimität volle, urteilsfreie Aufmerksamkeit zu schenken — lässt sich lernen, und die Forschung dazu gehört zum Ermutigendsten in der gesamten Sexualtherapie.

In diesem Leitfaden geht es darum, wie ihr in der Intimität präsent seid. Wir schauen, warum die Gedanken im Bett abschweifen (und die konkrete mentale Falle, die so viele sabotiert), was die Wissenschaft über Aufmerksamkeit und Erregung sagt, und eine Reihe konkreter, erlernbarer Praktiken, um mit eurem Gegenüber präsent zu bleiben. Nichts davon verlangt, dass ihr Meditierende seid oder „den Kopf frei macht". Es verlangt nur, zu verstehen, wie Aufmerksamkeit tatsächlich funktioniert — und sie sanft zu trainieren.

Der Zuschauer in eurem Kopf

Benennen wir zuerst den größten Übeltäter, denn wenn ihr ihn einmal seht, könnt ihr ihn nicht mehr übersehen. Die Pionierforscher Masters und Johnson identifizierten ein Phänomen, das sie Spectatoring (Zuschauen) nannten — die Gewohnheit, beim Sex mental aus dem Erleben herauszutreten, um sich selbst zu beobachten und zu bewerten. Statt zu fühlen, was geschieht, schaut ihr euch zu, kommentiert und urteilt: Wie sehe ich aus? Mache ich das richtig? Genießt mein Gegenüber das? Dauert das zu lange?

Spectatoring ist das genaue Gegenteil von Präsenz und bemerkenswert zerstörerisch. Wenn eure Aufmerksamkeit von der Selbstüberwachung gekapert wird, kann sie nicht bei der Empfindung sein — und Empfindung ist das, woraus Erregung gebaut wird. Das Ergebnis ist eine Teufelsschleife: Ihr seid ängstlich, also überwacht ihr euch; Überwachen zieht euch aus dem Körper; außerhalb des Körpers zu sein dämpft die Erregung; geringe Erregung macht euch ängstlicher; und so dreht es sich. Viele, die glauben, ein „Lustproblem" oder ein „Erregungsproblem" zu haben, haben in Wahrheit ein verkapptes Aufmerksamkeitsproblem.

Emily Nagoski, Autorin von Come As You Are, beschreibt das durch die Linse von Aufmerksamkeit und „Sorge". Wenn euer Kopf voller selbstkritischer oder ablenkender Gedanken ist, betätigt er die Bremse eurer sexuellen Reaktion — genau die Bremse, die wir in unserem Leitfaden zum Dual-Control-Modell besprechen. Man kann nicht gleichzeitig Gas geben und bremsen. Präsenz ist in diesem Rahmen schlicht das, was passiert, wenn ihr den Fuß von der Bremse eures sorgenvollen Kopfes nehmt.

The Spectatoring LoopHow self-monitoring quietly kills arousalAnxious, self-consciousMind leaves the body(watching, judging)Arousal fadesMore worrySource: Masters & Johnson, concept of "spectatoring"

Die Wissenschaft von Achtsamkeit und Sex

Hier ist der wirklich hoffnungsvolle Teil. In den letzten zwei Jahrzehnten hat Dr. Lori Brotto, Psychologin und Forscherin an der University of British Columbia, ein strenges Werk aufgebaut, das zeigt, dass Achtsamkeitstraining sexuelle Funktion und Zufriedenheit messbar verbessert — besonders bei Menschen, die mit geringem Verlangen, Erregungsschwierigkeiten oder Ablenkung beim Sex kämpfen. Ihr Buch Better Sex Through Mindfulness fasst klinische Studien zusammen, in denen Frauen, die Achtsamkeit übten, deutliche Verbesserungen bei Verlangen, Erregung und Zufriedenheit zeigten — vor allem, indem sie lernten zu bemerken, wann ihre Aufmerksamkeit abschweifte, und sie sanft zur körperlichen Empfindung zurückzuführen.

Warum wirkt das? Weil Achtsamkeit genau den Muskel trainiert, den Spectatoring schwächt: die Fähigkeit zu bemerken, wo eure Aufmerksamkeit ist, und sie umzulenken, ohne sich zu verurteilen. Jon Kabat-Zinn, der Achtsamkeit in die westliche Schulmedizin brachte, definiert sie als „Aufmerksamkeit schenken, absichtlich, im gegenwärtigen Moment, ohne zu urteilen". Lest diese Definition noch einmal mit Blick auf Sex, und ihr seht, dass sie fast ein Rezept für gute Intimität ist: absichtlich (bewusste Aufmerksamkeit), gegenwärtiger Moment (nicht die Sorgen von morgen), ohne zu urteilen (kein zuschauender Kritiker).

Entscheidend: Brottos Forschung zeigt, dass Präsenz nicht heißt, Erregung zu erzwingen oder „sich mehr anzustrengen". Es ist das Gegenteil — es geht darum, Empfindung zu zulassen, indem ihr euren bewertenden Verstand aus dem Weg räumt. Das Paradox im Kern des achtsamen Sex ist, dass ihr mehr fühlt, indem ihr weniger zu erreichen versucht. Deshalb braucht auch reaktives Verlangen so oft Präsenz, um zu funktionieren: Erregung baut sich durch Aufmerksamkeit auf die Empfindung auf, nicht davor — eine Dynamik, die wir in reaktives versus spontanes Verlangen aufschlüsseln.

Was uns aus dem Moment reißt

Um in Präsenz besser zu werden, hilft es, eure konkreten Feinde zu kennen. Die Gedanken, die Menschen aus intimen Momenten reißen, gruppieren sich meist in ein paar erkennbare Kategorien — und euren zu benennen ist der erste Schritt, ihn zu entwaffnen.

Körperbild-Überwachung. Sich sorgen, wie man aussieht, den Bauch einziehen, bestimmte Stellungen oder Beleuchtung meiden. Das ist einer der häufigsten Präsenz-Killer, besonders bei Menschen, die Scham über ihren Körper tragen. Wir behandeln es direkt in Körperbild und Intimität.

Leistungsangst. Die laufende Selbstbewertung — bin ich gut darin, halte ich lange genug durch, werde ich zum Höhepunkt kommen? Das ist Spectatoring in seiner reinsten, ängstlichsten Form.

Die sich einmischende To-do-Liste. Die vergessene E-Mail, der Termin von morgen, ob die Tür abgeschlossen ist. Alltäglicher mentaler Ballast, der im Schlafzimmer nichts zu suchen hat, aber trotzdem auftaucht.

Bildschirme und Unterbrechungen. Ein auf dem Nachttisch vibrierendes Handy zersplittert die Aufmerksamkeit, bevor der Gedanke sich überhaupt formt. Schon die bloße Anwesenheit eines Handys reicht, um den Fokus zu spalten — die Forschung behandeln wir in wie Handys euer Sexleben töten.

Emotionale Ablenkung. Ungelöster Groll, Distanz oder Spannung von früher am Tag sitzen im Körper und ziehen die Aufmerksamkeit weg. Präsenz im Bett hängt oft von der Präsenz außerhalb ab.

What Pulls Attention Away During SexThe most common presence-killers couples reportBody-image worryPerformance anxietyTo-do list & mental clutterScreens & interruptions

Praxis eins: In den Sinnen verankern

Die grundlegende Fertigkeit des achtsamen Sex ist, einen Ort zu haben, wohin ihr eure Aufmerksamkeit legen könnt, wenn sie abdriftet — und die Sinne sind der perfekte Anker, denn sie existieren nur in der Gegenwart. Ihr könnt eine Empfindung nicht in der Zukunft oder Vergangenheit fühlen; Berührung, Wärme, Textur und Atem geschehen immer jetzt.

Die Praxis ist einfach zu beschreiben und braucht Wiederholung, um zu wachsen: Lasst während der Intimität eure Aufmerksamkeit bewusst in die körperliche Empfindung sinken. Die Wärme der Haut, die Textur der Berührung, die Temperatur, den Druck, das Geräusch des Atems. Wenn ihr bemerkt, dass eure Gedanken abgeschweift sind — und das werden sie, ständig — schimpft ihr nicht mit euch. Ihr kehrt sanft zu einer Empfindung zurück, wie ihr ein weglaufendes Kleinkind an der Hand zurückführen würdet. Dieses Zurückkehren ist die Praxis. Jedes Mal, wenn ihr bemerkt, dass ihr abgedriftet seid, und zurückkommt, stärkt ihr genau den Muskel, den Präsenz braucht.

Das ist genau das Prinzip hinter Sensate Focus, der klassischen Berührungsübung von Masters und Johnson, die ein Eckpfeiler der Sexualtherapie bleibt. Die Partner berühren und werden abwechselnd berührt, die Aufmerksamkeit auf der Empfindung statt auf dem Ergebnis — kein Ziel, keine Performance, nur Fühlen. Wenn ihr einen strukturierten Einstieg wollt, führt euch unser Schritt-für-Schritt-Leitfaden zu Sensate-Focus-Übungen hindurch. Werkzeuge wie Cohesa können auch helfen: Sein Menü enthält sanfte „Vorspeisen" — langsame, empfindungsorientierte Aktivitäten, die Verbindung ohne Druck schaffen — die eine natürliche Auffahrt sind, um Präsenz gemeinsam zu üben.

Praxis zwei: Den Atem als Reset nutzen

Euer Atem ist das tragbarste Präsenz-Werkzeug, das ihr besitzt, und er ist immer bei euch. Wenn ihr bemerkt, dass ihr in euren Kopf abgedreht seid — Spectatoring, Sorgen, Planen — holen euch ein paar langsame, bewusste Atemzüge fast sofort in euren Körper zurück. Langsames Atmen schiebt euer Nervensystem außerdem aus dem ängstlichen, sympathischen „Zuschau"-Zustand hin zum entspannten, parasympathischen Zustand, in dem Erregung tatsächlich lebt.

Ihr braucht keine Technik. Schon das bloße Bemerken des Atems — seines Rhythmus, des Hebens und Senkens, der Empfindung der Luft — gibt eurer Aufmerksamkeit eine Heimatbasis, zu der sie zurückkehren kann, wann immer sie abschweift. Manche Paare finden es kraftvoll, ihren Atem zu Beginn der Intimität eine Minute lang zu synchronisieren, was doppelt wirkt: Es verlangsamt euch beide und schafft einen gemeinsamen Fokuspunkt. Diana Richardson, die Sexualpädagogin, von der wir gleich hören, baut einen Großteil ihres „Slow Sex"-Ansatzes um genau diese Art entspannter, vom Atem geführter Präsenz.

Apropos — das Video unten ist eure Zeit wert. Diana Richardson hat Jahrzehnte damit verbracht, Paaren den Unterschied zwischen hastigem, zielgetriebenem, „gedankengefülltem" Sex und langsamem, präsentem, achtsamem Sex beizubringen. In diesem Vortrag legt sie den Kern ihres Ansatzes dar und warum Verlangsamen und Ins-Körper-Sinken die Intimität verwandelt. Es ist der perfekte Begleiter zu allem, was wir besprechen.

Praxis drei: Alles verlangsamen

Tempo ist der Feind der Präsenz. Wenn Intimität hastig und zielgetrieben ist — ein Schnellweg zu einer bestimmten Ziellinie — bleibt kein Raum, unterwegs überhaupt etwas zu fühlen, und der von Empfindung unbeschäftigte Verstand driftet zu Bewertung und Sorge. Verlangsamen überflutet das Erleben mit sinnlichem Detail, was eurer Aufmerksamkeit so viel gibt, worauf sie ruhen kann, dass kaum Bandbreite fürs Spectatoring bleibt.

Das ist das Herz der „Slow Sex"-Bewegung, und es ist radikaler, als es klingt, in einer Kultur, die Sex als Performance mit Anzeigetafel behandelt. Verlangsamen heißt verweilen — in einem Kuss, in den ersten Minuten der Berührung, im Blickkontakt — statt daran vorbeizurasen. Es heißt, die Reise als den Punkt zu behandeln statt als Mittel zum Zweck. Praktisch könnt ihr das einbauen, indem ihr euer übliches Tempo bewusst halbiert, oft innehaltet und dem Drang zu eskalieren widersteht. Das kontraintuitive Ergebnis: Langsamere, präsentere Intimität fühlt sich meist intensiver an, nicht weniger, weil ihr sie wirklich fühlt.

Blickkontakt ist hier ein überraschend kraftvolles Verlangsamungs- und Verankerungswerkzeug — den Blick eures Gegenübers zu halten ist fast unmöglich, während man im Kopf eine Einkaufsliste verfasst, was genau der Grund ist, warum es wirkt. Seine Effekte erkunden wir in Blickkontakt und Intimität. Dasselbe gilt für langsame, ziellose Berührung, deren verbindende Kraft wir in nicht-sexuelle Berührung: warum körperliche Zuneigung mehr zählt, als ihr denkt behandeln.

Praxis vier: Präsenz vor dem Schlafzimmer vorbereiten

Präsenz beim Sex ist viel leichter, wenn sie nicht aus dem Kalten heraufbeschworen werden muss. Wenn ihr den ganzen Tag zerstreut, abgelenkt und halb präsent verbringt, könnt ihr nicht erwarten, in dem Moment, in dem die Kleider fallen, plötzlich tief präsent zu werden. Präsenz ist ein Zustand, in den man übergeht, kein Schalter, den man umlegt.

Das bedeutet, einen kleinen Puffer zwischen der Hektik des Lebens und der Intimität zu bauen. Ein paar Minuten Herunterfahren — eine Dusche, gedämpftes Licht, bewusst in einen anderen Raum verbannte Handys, ein paar langsame Atemzüge zusammen — signalisieren eurem Nervensystem, dass es Zeit ist, den Gang zu wechseln. Paare, die auch nur ein kurzes Übergangsritual schaffen, stellen fest, dass Präsenz weit leichter kommt, weil sie nicht versuchen, in einem einzigen Sprung vom Posteingang-Hirn zur Intimität zu springen.

Es gibt auch hier einen Vorfreude-Bonus. Zu wissen, dass Intimität kommt, und die Aufmerksamkeit über den Tag sanft darauf auszurichten, baut Verlangen auf und bereitet Präsenz vor. Das ist einer der unterschätzten Vorteile, Intimität zu planen, statt immer auf Spontaneität zu warten — ein Argument, das wir in wie ihr in Stimmung kommt ausführen. Eure Verbindung zu verfolgen kann auch helfen, Muster zu bemerken: Die Pulse-Funktion von Cohesa lässt beide Partner privat festhalten, wie präsent und verbunden sie sich über die Zeit fühlen, sodass ihr seht, welche Bedingungen — Ruhe, wenig Stress, ein Übergangsritual — euch tatsächlich helfen, voll da zu sein, und welche euch auslaugen.

Praxis fünf: Den urteilenden Verstand loslassen

Hier ist die subtilste und wichtigste Fertigkeit: Achtsamer Sex ist urteilsfreie Aufmerksamkeit. Es geht nicht nur darum, Empfindung zu bemerken — es geht darum, zu bemerken ohne den laufenden Kommentar von gut/schlecht, genug/nicht genug, richtig/falsch. Der urteilende Verstand ist der Zuschauer mit anderem Hut, und er wird Präsenz genauso wirksam sabotieren wie Ablenkung.

Praktisch heißt das: Wenn ein selbstkritischer Gedanke auftaucht — mein Körper, meine Performance, funktioniert das — behandelt ihr ihn so, wie Achtsamkeit euch lehrt, jeden Gedanken zu behandeln: bemerken, vorbeiziehen lassen und zur Empfindung zurückkehren, ohne mit ihm zu streiten oder in ihn hineinzuspiralen. Ihr versucht nicht, positive Gedanken zu erzwingen oder den Verstand ganz zum Schweigen zu bringen (unmöglich). Ihr weigert euch nur, den kritischen ins Kaninchenloch zu folgen. Mit der Zeit wird der Kritiker leiser — nicht weil ihr ihn besiegt habt, sondern weil ihr aufgehört habt, ihn mit eurer Aufmerksamkeit zu füttern.

Hier zählt auch emotionale Sicherheit enorm. Es ist weit leichter, die Deckung fallen zu lassen und mit einem Gegenüber präsent zu sein, bei dem ihr euch wirklich sicher fühlt — sicher vor Urteil, frei, unbeholfen zu sein, frei, sich nicht mehr beobachtet zu fühlen. Diese Sicherheit aufzubauen ist ein eigenes Projekt, und es zahlt sich direkt im Schlafzimmer aus; wir erkunden es in emotionale Sicherheit: der verborgene Schlüssel zu körperlicher Intimität. Präsenz ist letztlich eine Form von Vertrauen: dem Vertrauen, dass ihr aufhören könnt zu performen und einfach sein.

Verbreitete Irrtümer

„Präsent zu sein heißt, den Kopf frei zu machen." Tut es nicht, und es zu versuchen ist ein Rezept für Frust. Köpfe produzieren Gedanken; das ist ihr Job. Präsenz ist, wohin ihr eure Aufmerksamkeit legt und wie sanft ihr sie zurückführt — nicht, einen leeren Kopf zu erreichen.

„Wenn ich an Präsenz arbeiten muss, muss der Sex schlecht sein." Präsenz ist eine Fertigkeit, und sie üben zu müssen sagt nichts über eure Beziehung. Selbst Menschen mit großartigem Sexleben werden abgelenkt; der Unterschied ist, dass sie gelernt haben zu bemerken und zurückzukehren, nicht dass ihr Verstand nie abschweift.

„Achtsamer Sex ist etwas Langsames, Ernstes, Spirituelles." Kann er sein, muss er aber nicht. Präsenz funktioniert genauso gut für verspielte, energiegeladene oder schnelle Intimität. Der Punkt ist keine bestimmte Stimmung — es ist, wirklich in dem zu sein, was gerade geschieht.

„Ich sollte doch einfach von Natur aus präsent sein können." In einer hyper-abgelenkten, handygesättigten Welt ist anhaltende Aufmerksamkeit für jeden wirklich schwer, und die Forschung zeigt, dass Gedanken ständig abschweifen. Mühelose Präsenz zu erwarten bereitet euch darauf vor, euch als Versager zu fühlen. Behandelt sie als trainierbare Fertigkeit, und ihr werdet euch tatsächlich verbessern.

„Präsenz heißt, mich stärker zu konzentrieren." Stärker zu konzentrieren geht oft nach hinten los — es ist angespannt und mühevoll, näher am Spectatoring als an echter Präsenz. Die Fertigkeit ist sanfter: zulassen, bemerken, zurückkehren. Ihr entspannt euch in die Empfindung hinein, ihr strengt euch nicht zu ihr hin an.

Häufig gestellte Fragen

Warum schweifen meine Gedanken beim Sex ab, selbst wenn ich ihn genieße? Weil das schlicht ist, was Köpfe tun — die Aufmerksamkeitsforschung findet, dass wir einen riesigen Teil unserer Wachstunden in Gedanken verloren verbringen, Sex eingeschlossen. Genuss schaltet das Abschweifen nicht aus; nur die Praxis des Bemerkens und sanften Zurückkehrens tut das. Ein abschweifender Verstand ist kein Zeichen, dass etwas nicht stimmt; er ist der Standard, mit dem ihr zu arbeiten lernt.

Kann Achtsamkeit die Erregung wirklich verbessern, oder ist das übertrieben? Die klinische Evidenz ist wirklich stark, besonders aus Dr. Lori Brottos Studien, in denen Achtsamkeitstraining messbare Zuwächse bei Verlangen, Erregung und Zufriedenheit brachte. Es wirkt, weil so viele Erregungsschwierigkeiten in Wahrheit verkappte Aufmerksamkeitsschwierigkeiten sind — und Aufmerksamkeit ist trainierbar.

Wie lange dauert es, im Präsentsein besser zu werden? Wie jede Aufmerksamkeitsfertigkeit verbessert sie sich mit Wiederholung, nicht über Nacht. Viele Paare bemerken einen Unterschied innerhalb weniger Wochen bewussten Übens von Zur-Empfindung-Zurückkehren, Verlangsamen und Ablenkungen-Entfernen. Die Gewinne summieren sich: Je mehr ihr Bemerken-und-Zurückkehren übt, desto automatischer wird es.

Was, wenn mein Gegenüber nicht präsent ist und ich schon? Präsenz ist ansteckend, aber man kann sie niemandem aufzwingen. Der wirksamste Schritt ist, sie vorzuleben — verlangsamen, Blickkontakt herstellen, die Handys entfernen, atmen — und sanft einzuladen, statt die Ablenkung zu kritisieren. Es zu einer gemeinsamen, druckfreien Praxis (statt einer Forderung) zu machen, bringt tendenziell beide Partner in den Moment.

Ist Präsentsein dasselbe wie Achtsamkeitsmeditation? Sie sind eng verwandt, aber ihr braucht keine formale Meditationspraxis, um zu profitieren. Die zugrunde liegende Fertigkeit — bemerken, wo eure Aufmerksamkeit ist, und sie ohne Urteil umlenken — ist dieselbe, aber ihr könnt sie direkt in intimen Momenten aufbauen, indem ihr euch in Empfindung und Atem verankert.

Das größere Bild

So viel Rat über besseren Sex konzentriert sich auf das Tun — neue Techniken, neue Stellungen, neues Spielzeug. Aber das tiefste Upgrade, das den meisten Paaren zur Verfügung steht, besteht überhaupt nicht darin, etwas Neues zu tun. Es besteht darin, wirklich da zu sein für das, was ihr ohnehin tut. Präsenz ist der Unterschied zwischen Sex, der euch widerfährt, und Sex, in dem ihr voll drin seid — und sie steht jedem offen, der bereit ist, Aufmerksamkeit als eine übungswürdige Fertigkeit zu behandeln.

Wenn ihr das nächste Mal intim seid, bemerkt, wohin eure Gedanken wandern. Wenn sie abdriften — zur Liste, zum Spiegel, zum Kritiker, zum Morgen — verurteilt sie nicht. Kehrt einfach sanft zurück zu einer Empfindung, einem Atemzug, den Augen eures Gegenübers. Dann driftet ab und kehrt wieder zurück. Dieser einfache, wiederholte Akt des Zurückkehrens ist die ganze Praxis, und er wird mehr für euer Intimleben tun als jede Technik. Präsenz ist nichts, das man findet. Sie ist etwas, das man immer wieder wählt, einen Moment nach dem anderen.

Quellen

  1. Brotto, L. A. (2018). Better Sex Through Mindfulness: How Women Can Cultivate Desire. Greystone Books.
  2. Brotto, L. A., & Basson, R. (2014). Group mindfulness-based therapy significantly improves sexual desire in women. Behaviour Research and Therapy, 57, 43-54.
  3. Masters, W. H., & Johnson, V. E. (1970). Human Sexual Inadequacy. Little, Brown.
  4. Nagoski, E. (2015). Come As You Are: The Surprising New Science That Will Transform Your Sex Life. Simon & Schuster.
  5. Kabat-Zinn, J. (1994). Wherever You Go, There You Are: Mindfulness Meditation in Everyday Life. Hyperion.
  6. Adam, F., Géonet, M., Day, J., & De Sutter, P. (2015). Mindfulness skills are associated with female orgasm? Sexual and Relationship Therapy, 30(2), 256-267.

Dieser Artikel dient Bildungszwecken und ersetzt keine professionelle medizinische oder psychologische Beratung.

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